Critical Mass: „Wir blockieren nicht den Verkehr – Wir SIND der Verkehr!“

Critical Mass ist eine weltweite Bewegung, bei der sich mehrere Radfahrer*Innen scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen Fahrten durch Innenstädte auf den Radverkehr aufmerksam zu machen, die Sichtbarkeit zu erhöhen und den öffentlichen Raum zurückzugewinnen.

Der Begriff „Critical Mass“ stammt aus dem Dokumentarfilm „Return of the Scorcher“ von 1992, der Regisseur Ted White erzählt hier von der Radkultur in China und den Niederlanden. Dort wird auch geschildert, wie sich Radfahrer*Innen in China an Ampellosen Kreuzungen gegen den von Kraftfahrzeugen dominierten Verkehr wie selbstverständlich durchsetzen.

Sobald sich an den Kreuzungen eine größere Menge Radfahrer*Innen sammelt, überqueren sie zusammen die Kreuzung. Die Masse wird als critical mass (deutsch: kritische Masse) bezeichnet. Der Begriff wurde später von Fahrradaktivist*Innen aus San Francisco für ihre monatliche Massenradfahrt übernommen.

Die erste CM fand am Freitag 25. September 1992 in San Francisco statt, in Deutschland wurde die "Critical Mass" im September 1997 in Berlin ins Leben gerufen.

Besonderheiten:

Eine CM ist keine Demonstration und es gibt keine/n Veranstalter*In. Genutzt wird in Deutschland die Verbandregel § 27 StVO, die besagt, dass Radfahrer*Innengruppen mit mehr als 15 Teilnehmenden im Straßenverkehr einen sogenannten Verband bilden dürfen. Benutzungspflichtige Radwege sind für diese Gruppe dann ohne Bedeutung. Rechtlich gesehen gilt der Verband als ein Fahrzeug, wie ein LKW mit Anhänger. Wenn das erste Fahrrad an einer Lichtzeichenanlage bei Grün passiert hat, darf der Rest der Fahrzeuggruppe ebenfalls durchfahren, selbst wenn die Ampel schon längst auf Rot gewechselt hat.

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Fährt das erste Fahrrad unter Beachtung der Vorfahrtsregeln in eine Kreuzung ein, dann dürfen ihm alle Radfahrer*Innen folgen, auch wenn auf der Vorfahrtsstraße bzw. von rechts andere Fahrzeuge erscheinen. Die Richtung und das Ziel jeder einzelnen Critical-Mass-Veranstaltung ergeben sich nur durch das Verhalten der Teilnehmer*Innen. Wer vorne fährt, bestimmt die Richtung und entscheidet über die Route. Wechselt die Führung des Verbands, muss die neue Person an der Spitze an jeder Kreuzung die Entscheidung treffen, geradeaus weiterzufahren oder abzubiegen.

Einzelne Teilnehmer*Innen des Verbands sichern die Route ab: Sie halten mit ihren Rädern den Querverkehr auf, bis der ganze Verband eine Kreuzung oder Straßeneinmündung überquert hat. Dieses Prinzip des „corking“ sichert den Verband gegen ungeduldige Autofahrer*Innen ab, durch die es zu gefährlichen Verkehrssituationen kommen kann.

In vielen großen und auch kleineren Städten treffen sich, meist am letzten Freitag im Monat, Radfahrer*Innen zu einer gemeinsamen Ausfahrt. Es macht Spaß, man kann nette Menschen treffen und in der Gruppe sicherer fahren.

Jede/r kann mitmachen.

Weitere Infos und Termine:
https://criticalmass.in/

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