USA: Punk is coming!

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Punk aus England kommt. Das ist ein Trugschluss mit dem ein für alle Mal aufgeräumt werden muss. Die Wiege des Punks ist New York in den USA. Wenn man sich auf eine genaue Jahreszahl festlegen möchte, trifft es wohl 1970.

Zu der Zeit war der Rock n Roll zum Stadionrock verkommen. Unpersönliche Konzerte vor tausenden von Menschen. Die „Rock Stars“ fuhren in Limousinen, machten viel Kohle und hatten sich vom wirklichen Leben weit entfernt. Die Inhalte Ihrer Songs sprachen vielen Fans nicht mehr aus der Seele und hatten mit dem Alltag der Menschen wenig gemein. Der natürliche Gegenpart dieser schleimigen Verträumtheit war Punk. Allerdings war der heute gebrauchte Ausdruck „Punk“ so noch nicht geboren.

Die Leute hatten gehörig die Schnauze voll von dem ganzen Schöngerede. Sie hatten es satt angepöbelt zu werden für Kleinigkeiten, wie die falschen Autoren zu lesen oder die Haare nicht zu kämmen. Die ordentlichen Vorstädte waren der Traum aller Eltern und der Albtraum der Jugendlichen. Die fühlten sich außerhalb der verhassten Gesellschaft, wollten Freiheit und die Welt für sich beanspruchen. Sich ausprobieren, so sein wie man ist und sich gegenseitig inspirieren. Voller Frustration und trotzdem voller Energie, die raus musste und stets auf der Suche nach anderen Menschen, die genauso dachten. Es wuchs das Bedürfnis der Langeweile zu entfliehen und endlich etwas zu erleben. Und vor allem selbstbestimmt und ohne jegliche Autoritäten zu leben.

1970 lief das CBGBs nicht gut. Was an der Gegend lag, aber auch daran, dass es eher eine Art Rockerkneipe war. Zeitgleich gab es für Musiker kaum Auftrittsmöglichkeiten. So handelte Richard Hell von Television mit dem CBGBs Besitzer Hilly Kristal einen Deal aus. Einmal pro Woche dürfte Television im CBGBs auftreten mit dem Versprechen, dass der Laden voll werden würde. Diese Auftritte wurden legendär und der Laden fing an, ein richtiger Geheimtipp zu werden. Weitere oft sehr unterschiedliche Musiker und Künstler kamen hinzu, von lyrischer Musik wie Patti Smith, über verstörende Künstler wie Iggy Pop und The Stooges, Talking Heads, Blondi, und provozierend wie die New York Dolls, lustig wie die Ramones, oder einfach brutal und gefährlich wie Suicide.

cbgbs


Der Laden lief gut und das nur durch Mundpropaganda. Als dann der erste Zeitungsartikel über das CBGBs veröffentlicht wurde, platze der Laden quasi aus allen Nähten. Das besondere war einfach auch, dass Menschen auftreten konnten, die sonst nirgends eine Chance bekamen. So wie die Travestiekünstlerin Jane Country, die anderenorts tatsächlich für das, was sie tat, erschossen worden wäre. Das CBGBs war ein Anlaufpunkt für viele kreative Menschen. Nicht nur Musiker. Von Fotografen wie Roberta Bayley, über Filmregisseure wie Jim Jarmusch bis hin zu Künstlern wie Andy Warhol (auch Manager von Velvet Underground).

1975 tauchten auf einmal überall Aufkleber auf, auf denen stand: Punk is coming! Diese kamen von Legs McNeil, der Autor und Herausgeber des Punk Magazins. Dieses befasste sich mit allen Bands der CBGBs Szene in einer Art Comic-Foto Story. So spielten z. B. Joey Ramone und Debbie Harry von Blondi ein Liebespaar, das sich mit Monstern bekriegen mussten.
Und plötzlich wurde alles als Punk bezeichnet. Einige Bands und Personen (wie z. B. Blondie oder die Ramones) wollten gar nicht, dass alles in einen Topf geworfen wurde, da ja nicht jeder diesen harten rauen Sound machte. Nichts destotrotz gelten gerade die Ramones heute als eine der ersten Punkbands.

2006 wurde das CBGBs geschlossen, es hatte aber bis zum Schluss seinen Charme beibehalten.

 

Foto CBGBs:

Schlamniel, CBGB, Manhattan (exterior view), als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

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